Jonas Vingegaard stürzt und muß aufgeben

Remco Evenepoel schlägt Pogacar und klärt die Kapitänsfrage

"Täglich grüßt das Murmeltier", so könnte man die Startphase der 15. Etappe der Tour de France beschreiben. Eine harte Bergetappe mit der steilen Bergankunft am Plateau de Solaison sowie 184 Kilometer warteten auf das Peloton. Eine Sprintwertung nach 17 Kilometern führten zum altbekannten Drehbuch, Alpecin - Premier Tech und Lidl-Trek reihten sich vorne ein. Japser Philipsen ging als erster über die Linie, fünf weitere Punkte holte er auf Mads Pedersen auf. Die Differenz beträgt noch 31 Punkte zwischen den beiden Grün-Kontrahenten.
Nach einer ewig langen Hetzjagd bildete sich doch noch eine Spitzengruppe, Tom Pidcock hat es auch wieder geschafft. Jonas Vingegaards Visma | Lease a Bike schickte zwei Mann in die Gruppe und auch Tadej Pogacar platzierte mit Adam Yates einen Mann vorne. Über die letzten beiden Bergwertungen zeigte sich Visma | Lease a Bike als die tempobestimmende Mannschaft. Die beiden Satelliten ließen sich aus der Spitzengruppe zurückfallen und spannten sich vor das Feld. 22 Kilometer vor dem Ende wurde die Arbeit und der Plan mit einem Schlag zunichte gemacht. Jonas Vingegaard rutscht in einer unübersichtlichen Kurve bei einem Fahrbahnteiler aus und knallt gegen den Randstein. Der Däne hielt sich sofort den rechten Arm und schüttelte den Kopf. Statt um den Toursieg zu kämpfen, endete der Tag leider im Krankenwagen, vermutlich mit einem gebrochenen Schlüsselbein. Auch Isaac Del Toro und Felix Großschartner waren in den Sturz verwickelt, konnten das Rennen aber fortsetzen.
Das Plateau de Solaison ist ein kleines böses Monster, 11,9 Kilometer bei Durchschnittlich 9 Prozent, hier entscheiden nur die Beine. Durch den Sturz von Vingegaard hielt das Favoritenfeld eine Zeitlang still, das kam den Ausreißern entgegen. Als erster ging Mauro Schmid in die Schlusssteigung, 2:30 war der Vorsprung des Gewinners der 13. Etappe. Eine Gruppe mit Tom Pidcock, Quinn Simmons, Einer Rubio, Ewen Costiou und Yannis Voisard folgte nur Sekunden dahinter. Das würde nicht reichen, die Favoritengruppe zog mächtig am Horn. Es war eigentlich keine wirkliche Attacke, an der 7000-Meter-Marke waren nur mehr Isaac Del Toro und Remco Evenepoel am Hinterrad von Tadej Pogacar. Kilometer um Kilometer spulte das Trio ab, die letzten Ausreißer waren schnell überholt. Auf den letzten 1000 Metern attackierte zwei Mal Del Toro, doch Remco Evenepoel blieb auf der Hut. Nach der letzten Kurve trat der Belgier an und holte sich überraschend aber mehr als verdient den Etappensieg vor Pogacar. Evenepoel ist nach dem Ausfall von Vingegaard jetzt neuer Gesamtzweiter. Da Florian Lipowitz 58 Sekunden später zeitgleich mit Paul Seixas das Ziel erreichte, scheint die Kapitänsfrage bei Red Bull - Bora Hansgrohe endgültig geklärt. Im Tagesklassement folgten Lenny Martinez, Mattias Skjelmose (+1:58), sowie Juan Ayuso und Adam Yates (+2:00).
Quinn Simmons wurde zehnter und von der Jury zum kämpferischten Fahrer gekürt. Das wurde aber schon entschieden bevor er seine letzte "Heldentat" vollbrachte. Obwohl sicherlich körperlich komplett am Ende, spannte sich der US-Amerikaner noch vor seinen strauchelnden Teamkollegen Juan Ayuso. Mit seinem selbstlosen Einsatz begrenzte er den Schaden des Spaniers, der auf Rang sechs des Klassements liegt.

19.07.2026 - Gerald