Giulio Ciccone erobert Rosa

Narvaez durchkreuzt die Movistar-Pläne

Nach drei Tagen Bulgarien ist der Tross des Giro d'Italia in die Heimat zurückgekehrt. Die meisten Profis sind bereits am Sonntagabend mit dem Flugzeug zurückgereist, darunter auch Wilco Kelderman. Der Niederländer war auf der dritten Etappe gestürzt, heute morgen musste er die Rundfahrt aufgeben, die Beschwerden waren noch zu groß. Damit hat Jonas Vingegaard einen wichtigen Helfer verloren. Die Fahrt ging über 138 Kilometer. Gestartet wurde in Catanzaro und es ging nach Cosenza, praktisch von der Sohle, durch den Fuß zum Rist des italienischen Stiefels. In Laufe der Strecke wartete der über 14 Kilometer lange Anstieg nach Cozzo Tunno. Von dort waren noch 40 Kilometer bis ins Ziel, das motivierte deutlich mehr Fahrer zum Sprung in die Fluchtgruppe. Martin Marcellusi, Johan Jacobs, Warren Barguil, den einstigen Dauerausreißer Mattia Bais, Niklas Larsen und Darren Rafferty lockte die Chance auf einen Ausreißer-Coup. Der Ire Rafferty hatte noch einen zweiten Hintergedanken, sollte die Gruppe durchkommen, winkt das Rosa Trikot. Während im Flachen XDS Astana für den Mann in Rosa Guillermo Silva für das Tempo sorgte, änderte sich das Bild im Anstieg deutlich, Movistar sorgte für die Pace. Die Fluchtgruppe war damit Geschichte, wie die ganzen Sprinter musste auch Silva seine rosa Träume begraben. Von den Gesamtwertungskandidaten zeigte Egan Bernal und der Vorjahresvierte Derek Gee-West ernste Probleme, an der Kuppe waren sie nicht mehr in der gut 35 Mann großen Gruppe. Sie bildeten eine Zweckgemeinschaft, Bernal hatte mit Ben Turner noch einen Helfer zur Seite. Der Brite riss sich sprichwörtlich den A... auf und schaffte bis zum Kilometer 16 wieder den Anschluss, ein erster Schaden war abgewendet. Movistar kontrollierte weiter das Geschehen, man wollte Orluis Aular zum Etappensieg führen. Doch man hatte die Rechnung ohne UAE Team Emirate-XRG gemacht. An der 1500-Meter-Marke griff Jan Christen an und verbrauchte die letzten Movistar-Kräfte. Aular auf sich alleine gestellt, musste seinen Sprint früh beginnen. Zu früh, denn Jhonatan Narvaez zog noch deutlich am Venezolaner vorbei. Nach dem Ausfall der Kapitänsriege musste sich das arg gebeutelte Team UAE neu orientieren, offensichtlich hatte man einen Plan B. Dritter wurde Giulio Ciccone, der Italiener glänzt ab heute in Rosa. Zwei Bonussekunden beim Zwischensprint und vier im Ziel, damit überholte er den zweitplatzierten Florian Storck, der im Finish nicht mehr in den Sprint eingreifen konnte. Trotz seiner harten Verfolgungsjagd wurde Ben Turner noch Etappenvierter. In die Top Ten schafften es noch Alessandro Pinarello, Alfonso Eulalio, Lennert Van Eetvelt, Diego Ulissi, Andrea Raccagni und Michael Valgren.

12.05.2026 - Gerald