Sepp Kuss stürzt mit dem Etappensieg vor Augen

Richard Carapaz gewinnt die Königsetappe und das Bergtrikot

Das Beste kommt zum Schluss, die Veranstalter der 113. Tour de France haben die Königsetappe mit 5450 Höhenmetern auf den vorletzten Tag gelegt. 171 Kilometer mit den Alpenriesen Col de la Croix de Fer, Col du Telegraphe, Col du Galibier und Col de Sarenne, bis auf den Telegraphe lauter Anstiege der höchsten Kategorie HC. Im 24 Kilometer langen Anstieg zum Col de la Croix de Fer bildete sich die erste Spitzengruppe, auf Ansage musste Richard Carapaz in die Gruppe gehen. Der Ecuadorianer hat gestern die Führung um einen Zähler vor Pogacar in der Bergwertung übernommen, heute wartete fette Beute. 20 Punkte waren es am ersten Berg, doch auch Valentin Paret-Peintre schrieb sich 15 Zähler gut. Wahnsinn oder wahnsinnig, Mads Pedersen lieferte erneut den Beweis, dass alles für ihn möglich scheint. Ebenfalls in der Spitzengruppe ging der Sprinter an einem HC-Kategorie-Berg nur 1:25 hinter dem Kletterspezialisten Carapaz über die Kuppe. Für den Abfahrtskünstler kein Problem, bis ins Tal hat er wieder aufgeschlossen. Als Belohnung klingelte es in Saint-Julien-Mont-Denise beim Zwischensprint, 25 weitere Punkte für das Grüne Trikot, nun uneinholbar muss der Däne nur mehr nach Paris kommen. Für Carapaz hieß es am Col du Galibier "Bingo", der höchste Punkt der Tour brachte 5000 zusätzliche Euro für das Souvenier Henry Desgrange, aber noch wichtiger 20 Bergpunkte. Egal wie viele Punkte er noch am letzten Berg macht, der 33-jährige muss so wie Pedersen nur mehr Paris erreichen. Der Col de Sarenne ist 12,3 Kilometer lang und im Schnitt 7,3 Prozent steil, von dort waren es noch 14 wellige Kilometer bis nach Alpe d'Huez. Bereits am Galibier trennte sich in der Favoritengruppe die Streu vom Weizen. Als letzter Helfer musste Felix Großschartner wenige Kilometer vor dem Gipfel abstellen, der Chef Tadej Pogacar übernahm persönlich. Über die Kuppe waren nur mehr Pogacar, Remco Evenepoel, Isaac Del Toro, Paul Seixas und mit Müh und Not Lenny Martinez und Mattias Skjelmose zusammen. Ein paar Fahrer konnten noch aufschließen, Pogacar stellte sich demonstrativ in den Dienst seines Teamkollegen Isaac Del Toro. Das war das Glück der Ausreißer, der Etappensieg würde aus dem Trio Sepp Kuss Jay Hindley und Richard Carapaz kommen. Sepp Kuss ging mit 15 Sekunden Vorsprung über den Berg und dann nahm das Unglück seinen Lauf. Kuss stürzt, bleibt aber vorne. In der letzten Abfahrt 4 Kilometer vor dem Ende hat er riesengroßes Glück. Der US-Amerkaner unterschätzt eine Kurve und landet auf der Mauer. Ein montiertes Auffanggitter verhinderte einen Sturz in den Abgrund. Carapaz geht vorbei und gewinnt mit ein wenig Glück, doch verdient die Königsetappe. Sepp Kuss wird auf den letzten Metern noch von Remco Evenepoel überholt und wird nach seinem doppelten Pech Etappendritter. Tadej Pogacar ging Hand in Hand mit Isaac Del Toro über den Zielstrich. Der Slowene verhalf seinem jungen Teamkollegen zum dritten Gesamtrang und zum Gewinn der Jungprofiwertung. Paul Seixas musste am vorletzten Tag erstmals in den Roten Bereich gehen, rettete aber trotzdem seinen vierten Gesamtrang. Zwar nahm ihm Lenny Martinez fast zwei Minuten ab, doch sein Vorsprung war einfach zu groß.

25.07.2026 - Gerald